• Das Kinderdorf

Gründer

Der Schweizer Hansjörg Huber
rief 2015 die Dorfgemeinschaft der Atlas Kinder ins Leben. Mit Hilfe seiner Lebensgefährtin erfüllte er seine Vision und schuf aus dem Nichts ein ganzes Dorf für ausgesetzte Kinder. Der ehemalige Versicherungsunternehmer investierte einen großen Teil seines eigenen Vermögens, um ihnen eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Heute leben 82 Kinder in unserem Dorf, 28 weitere dürfen bald schon einziehen. Der Bau von zusätzlichen Dörfern ist in Planung.

Atlas Kinder

Woher kommen die Atlas Kinder?
In vielen Gesellschaften werden ledige Mütter stigmatisiert und ausgegrenzt. In größter Not legen sie ihr Neugeborenes vor eine Kirche, Moschee oder Polizeistation. Nach offiziellen Angaben werden in Marokko jedes Jahr rund 9.000 Babys auf diese Weise „weggelegt“. Ihr Start ins Leben beginnt denkbar schlecht. Meist landen sie in überfüllten Auffangstationen des Landes. Fast alle unserer Atlas Kinder kommen direkt von dort. Wir möchten ihnen ein liebevolles Zuhause schenken. Gleichzeitig sollen sie die Chance haben, sich in der marokkanischen Gesellschaft als vollwertige Mitglieder zu integrieren.

Kunst und Kultur

Gründer Hansjörg Huber
schenkt seinen Schützlingen nicht nur ein Zuhause, sondern auch Zugang zu Kunst und Kultur. Der Kunstsammler spendete seinem Dorf eine eigene Galerie mit wertvollen Werken aus verschiedenen Epochen. Diese Exponate werden zu Gunsten des Kinderdorfes verkauft, der Erlös fließt in voller Höhe in unser gemeinnütziges Projekt. Im eigenen Amphitheater finden regelmäßig Aufführungen, Konzerte oder Lesungen statt, dabei sind auch Besucher aus den umliegenden Dörfern eingeladen. Gleichzeitig wird das Theater später zur Bühne für die Kinder – bei Auftritten vor der Dorfgemeinschaft können sie Selbstvertrauen und Lebenserfahrung gewinnen.

Stolz und Selbstwertgefühl

In vielen Religionen werden unehelich geborene Kinder immer noch stigmatisiert.
Ihr Leben ist ein Spießrutenlauf, begleitet von wiederkehrenden Vorurteilen. Wir möchten unsere Atlas Kinder zu starken Bürgern erziehen, ihnen eine eigene Identität, Stolz und Selbstwertgefühl mit auf den Lebensweg geben. Dabei investieren wir vor allem in Bildung. Neben ihrer Muttersprache Marokkanisch-Arabisch lernen unsere Jungen und Mädchen von klein auf Französisch. Spätestens im Schulalter kommt Englisch hinzu. Auch sonst wird jeder Einzelne auf ganzer Linie gefördert. Die Kinder bekommen Tanzunterricht, lernen ein Musikinstrument oder gewinnen Erfahrung im landwirtschaftlichen Anbau. Später möchten wir ihnen eine Berufsausbildung oder ein Studium ermöglichen.

Selbstversorgung

Mit Hilfe von Partnern und Sponsoren
möchten wir einen eigenen Bauernhof bewirtschaften und unser Obst und Gemüse selbst anbauen. Jedes Kind darf dann Verantwortung für ein Stück Land oder ein Tier übernehmen.
Im Dorfladen verkaufen wir zudem bald schon Produkte vom Hof sowie traditionelle Handarbeiten. Der Erlös fließt zurück an die Gemeinschaft.

Philosophie

Die fünf Säulen der Atlas Kinder
Die folgenden fünf Säulen bestimmen unser Denken und Handeln.
Dabei steht das Wohlergehen der Kinder stets im Mittelpunkt:
Säule 1
Jedes Kind braucht eine zuverlässige und vertrauenswürdige Bezugsperson – eine Mutter.
Säule 2
Jedes Kind soll auf natürliche Weise mit Schwestern und Brüdern aufwachsen.
Säule 3
Jedes Kind soll in einem Haus wohnen und es als sein eigenes Zuhause empfinden.
Säule 4
Jedes Kind soll in einer dörflichen Gemeinschaft leben und zu einem respektierten Mitglied der Gesellschaft heranwachsen.
Säule 5
Jedes Kind soll umgeben von Bildung, Kunst und Kultur aufwachsen.

Partner und Sponsoren

Nicht zuletzt dank unserer Partner und Sponsoren
konnten wir unser Kinderdorf ins Leben rufen.
Die folgen Unternehmen und Institutionen haben uns unterstützt.

Interview

„Wir schenken unseren Kindern Visionen“

Wie kamen Sie denn dazu, ein Kinderdorf zu gründen?

Wie kamen Sie denn dazu, ein Kinderdorf zu gründen?

Ich habe schon seit 50 Jahren eine Sensibilität für die Schwachen. Wieso hat er nichts und ich habe alles? Diese Frage beschäftigt mich spätestens, seit ich als 22-Jähriger ein Kinderdorf in der Schweiz besuchte. Da wusste ich, eines Tages möchte ich etwas Ähnliches errichten. Nachdem ich meine Karriere als Unternehmer in der Versicherungsbranche beendet hatte, bin ich in Marokko dann auf das Schicksal der „weggelegten“ Kinder gestoßen. 2008 zog ich von Zürich nach Marrakesch und beschloss, die Hälfte meines Barvermögens abzugeben, um das Dorf zu errichten. 2013 begann der Bau, 2015 zogen dann die ersten Kinder ein.

Woher kommen die Atlas Kinder?

Woher kommen die Atlas Kinder?

In vielen Gesellschaften werden ledige Mütter stigmatisiert und ausgegrenzt. In größter Not legen sie ihr Neugeborenes vor eine Kirche, Moschee oder Polizeistation. Nach offiziellen Angaben werden in Marokko jedes Jahr rund 9.000 Babys auf diese Weise „weggelegt“. Ihr Start ins Leben beginnt denkbar schlecht. Meist landen sie in überfüllten Auffangstationen des Landes. Fast alle unserer Atlas Kinder kommen direkt von dort. Wir möchten ihnen ein liebevolles Zuhause schenken. Gleichzeitig sollen sie die Chance haben, sich in der marokkanischen Gesellschaft als vollwertige Mitglieder zu integrieren.

Wie gelangen die Babys und Kinder dann in Ihr Kinderdorf?

Wie gelangen die Babys und Kinder dann in Ihr Kinderdorf?

Wer die Babys findet, bringt sie in eine der Auffangstationen des Landes. Diese aber sind überfüllt. Für individuelle Förderung, Spiel und Spaß bleibt hier keine Zeit. Die meisten unserer Kinder kommen direkt von dort in unsere Dorfgemeinschaft. Andere stammen aus stark zerrütteten Familien und werden uns vom Familiengericht zugesprochen.

In welchem Zustand sind die Kinder, wenn sie ins Dorf kommen?

In welchem Zustand sind die Kinder, wenn sie ins Dorf kommen?

Viele unserer Babys sind bereits traumatisiert, noch bevor sie auf die Welt kommen. Schließlich hat sich niemand auf ihre Geburt gefreut. Viele der leiblichen Mütter haben versucht, mit allen Mitteln abzutreiben. Andere Kinder sind aus kaputten Familien, haben Schreckliches erlebt und sind ganz steif und verängstigt, wenn sie zu uns kommen. Es ist schön zu sehen, wie sie im Laufe der Zeit auftauen und sich gut entwickeln. Wir müssen alles tun, damit jedes einzelne Kind sein Trauma überwindet, sich geliebt, beschützt und geschätzt fühlt.

Und woher kommen die Pflegemütter der Kinder?

Und woher kommen die Pflegemütter der Kinder?

Unsere „Mütter“ kommen meist aus den umliegenden Dörfern. Wir suchen sie mit größter Sorgfalt aus. Sie sind nicht nur wichtige Bezugsperson, sondern auch Bindeglied zur traditionellen Gemeinschaft. Die Pflegemütter werden alle geschult und bekommen eine Ausbildung in Gesundheitsfürsorge und Hygiene.

Wie lange bleiben die Kinder im Dorf?

Wie lange bleiben die Kinder im Dorf?

Wir sind für ihre Erziehung verantwortlich und müssen unseren Kindern später auch eine Ausbildung garantieren. Ich bin gerade dabei, eine praktische Berufsausbildung nach Schweizer Vorbild ins Leben zu rufen, um ihnen später eine Lehre, etwa als Schreiner oder Metallbauer, zu ermöglichen. Unsere Schützlinge bleiben so lange im Dorf, bis ihre Ausbildung abgeschlossen ist und sie in der Lage sind, sich selbst zu ernähren.

Woher kommt der Name Atlas Kinder?

Woher kommt der Name Atlas Kinder?

Unser erstes Kinderdorf liegt am Fuße des Atlas Gebirges. Atlas steht aber auch für die Weltkugel, der Name steht also für Internationalität. Ich möchte einen Leuchtturm schaffen, ein Pilotprojekt zur Nachahmung. Ich möchte den Kindern dieser Welt, die keine Chance haben, Visionen und Bildung schenken. Man könnte weltweit solche Dörfer bauen. Es gibt Tausende von Hubers, die ein gutes Herz und genügend Geld haben, um ähnliche Dörfer zu errichten. Meine restliche Lebenszeit gehört auf jeden Fall den Kindern.

Soll es auch eine Schule im Kinderdorf geben?

Soll es auch eine Schule im Kinderdorf geben?

Fürs Erste habe ich die „Crèche“ ins Leben gerufen – eine Mischung aus Kindergarten und Vorschule für unsere Zwei- bis Fünfjährigen. Ich habe die Crèche entwickelt, damit die Kinder von Anfang an gefördert werden und später in der Schule gut zurechtkommen. Hier bekommen sie Unterricht auf Französisch und Arabisch. Fremdsprachen sind der Zugang zu Kommunikation und Kommunikation bedeutet Zugang zum Wissen. Schließlich müssen sich die Kinder in einer globalisierten Gesellschaft zurechtfinden. Später werde ich vielleicht gemeinsam mit Experten auch eine Schule errichten.

Wie werden die Kinder noch gefördert?

Wie werden die Kinder noch gefördert?

Zunächst einmal sollen alle Kinder in einem schönen Umfeld aufwachsen, umgeben von Kunst und Kultur. Bei uns hängen überall Malereien, Zeichnungen und Photographien. Demnächst möchte ich ein Atelier eröffnen und Künstlern aus der Umgebung einladen, die die die Kinder anleiten, eigene Werke zu erschaffen. Auch soll jeder ein Instrument spielen können, ich bin gerade dabei, Musiklehrer zu engagieren. Ansonsten gilt bei uns: Mens sana in corpore sano. Zu einem gesunden Geist gehört auch ein gesunder Körper. Wir fahren mit den Kindern jeden Mittwoch nach Marrakesch zum Bewegungsunterricht. Außerdem habe ich einen Turnlehrer engagiert, einen jungen Studenten, der mit den Kindern sonntags auf unserem Gelände Sport treibt.

Ihr Kinderdorf hat sogar eine eigene Galerie mit rund 300 Gemälden und Fotografien, die Sie zugunsten der Atlas Kinder verkaufen? Wie kam das?

Ihr Kinderdorf hat sogar eine eigene Galerie mit rund 300 Gemälden und Fotografien, die Sie zugunsten der Atlas Kinder verkaufen? Wie kam das?

Ich habe mein ganzes Leben lang überall auf der Welt Kunstwerke gesammelt. Jedes Bild hat eine Geschichte. Jetzt verkaufe ich die Werke und der Erlös geht an unsere Organisation. Jemand kauft ein Bild, hilft den Kindern und gibt dem Bild, das er erworben hat, gleichzeitig eine neue Geschichte.

Welche Bedeutung hat die Moschee im Dorf?

Welche Bedeutung hat die Moschee im Dorf?

Ich bin wohl der einzige Protestant, der in Afrika eine Moschee gebaut hat. Ich habe sogar einen Iman engagiert, der die Gemeinschaft leitet. Religion spielt eine große Rolle in der marokkanischen Gesellschaft. Kurz: Die Moschee ist wichtig, damit sich die Kinder später gut integrieren können.

Es gibt auch einen kleinen Bauernhof im Dorf ...

Es gibt auch einen kleinen Bauernhof im Dorf ...

Ja, unsere Kinder sollen umgeben von Tieren, Bäumen und Pflanzen aufwachsen und auch ein bisschen was von Landwirtschaft verstehen. Später sollen die Dorfbewohner in der Lage sein, Gemüse und Obst aus eigenem Anbau zu ernten.

In wenigen Sätzen zusammengefasst, was ist die Philosophie des Kinderdorfes?

In wenigen Sätzen zusammengefasst, was ist die Philosophie des Kinderdorfes?

Wir haben ein Gemälde im Dorf mit der Aufschrift „Fierte“, das bedeutet Stolz. Darum dreht sich alles. Wir wollen aus unseren Kindern stolze und starke Menschen machen, die sich nicht erdrücken lassen, nur weil sie ohne ihre leiblichen Eltern aufwachsen. Sie müssen besonders stark sein, sonst gehen sie unter. Wir müssen durch unsere Erziehung den fehlenden Familienstolz ersetzen. Unsere Kinder sollen später sagen können: „Ich spreche drei Sprachen, ich spiele ein Musikinstrument, ich kann tanzen – und was kannst du?“

Sie haben sogar ein eigenes Amphitheater im Dorf ...

Sie haben sogar ein eigenes Amphitheater im Dorf ...

Genau. Bei uns gibt es bewusst keine Fernsehgeräte und Mobiltelefone in den Wohnhäusern. Dafür haben wir ein Amphitheater mit 300 Plätzen. Es ist die Bühne für unsere Kinder, aber auch für Geschichtenerzähler, Schauspieler und Musiker, die unser Dorf besuchen. Wenn ein dreijähriges Kind einem Geigenkonzert lauscht, entstehen Träume. Wir schenken unseren Kindern Visionen!

Sie sprechen davon, dass die „Beherzung“ der Kinder wichtig sei. Was ist damit gemeint?

Sie sprechen davon, dass die „Beherzung“ der Kinder wichtig sei. Was ist damit gemeint?

Den Begriff beherzen findet man nicht im Duden, aber jeder weiß wohl, was gemeint ist. Alles was wir Menschen mit Herz, Freundschaft und Liebe für die Schwächeren tun, wird seine Wirkung zeigen. Mit Liebe kann man Wunden schließen. Lassen wir unsere Herzen sprechen, um den Kindern zu ihrem Recht zu verhelfen. Ein Recht auf ein Leben mit Visionen, Träumen, Chancen. Mit viel Herzblut und Liebe werden wir ihnen das ermöglichen.

Besuch

Sie möchten uns kennenlernen?
Sie finden unser Dorf gut 30 Kilometer südlich von Marrakesch entfernt in der Nähe der Kleinstadt Tahannout. Die Berge des Atlasgebirges bilden die malerische Kulisse unseres Ortes. Gerne führen wir Sie herum. Vereinbaren Sie einen Termin über unseren Vorstand und besichtigen Sie Galerie, Bauernhof, Schule und Moschee unserer Dorfgemeinschaft. Auf Wunsch kann ein Fahrer Sie direkt von Ihrem Hotel abholen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
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